1905 schenkte die Industriellengattin Alwine Arnold (1848–1907), Tochter des erfolgreichen Gründers und Fabrikanten Christian Budenberg, der Stadt Magdeburg eine umfangreiche Sammlung von Kostüm- und Trachtenpuppen sowie Trachten in Originalgröße für das neu zu eröffnende Kaiser Friedrich Museum, heute Kulturhistorisches Museum Magdeburg. Um sie vor dem Verschwinden zu bewahren, sammelten und dokumentierten Wissenschaftler und private Sammler im 19. Jahrhundert historische Kostüme und Trachten in verschiedenen Regionen Deutschlands und Europas. Publikationen hierzu waren zahlreich und weit verbreitet. So verwundert es nicht, dass Trachten und Kostüme um 1900 auch in die Sammlungen von Museen und deren Ausstellungsräume gelangten. 1905 eröffnete das Germanische Nationalmuseum Nürnberg seinen großen Trachtensaal. Im selben Jahr wurde auch die Arnoldsche Sammlung in Magdeburg präsentiert. Museumsbesucher des 21. Jahrhunderts verzaubern die Puppen in den Modellkostümen vor allem durch die künstlerische, individuelle Gestaltung ihrer Gesichter und die Detailgenauigkeit und -vielfalt der Kleider im Miniaturformat. Für das Buch «Alwines Puppen Kostümgeschichte en miniature« habe ich die Puppen an verschiedenen Orten im Kulturhistorischen Museums Magdeburg mit fotografiert.
Fotografie-Projekt „Das Museum als Puppenhaus“
„Zu Beginn des Fotoprojekts hat mich ein Kindheitsbild von Alwine inspiriert. Die Stimmung, die mir dieses Bild verschaffte, wollte ich beim Fotografieren transportieren, in einer weichen Art, mit Unschärfen und Tageslicht. Ich habe mich bei den Puppen bemüht Nähe zu schaffen, so wie sie auch beim Porträtieren von Personen spürbar sein kann. Es sollte keine Distanz zwischen Betrachter und Bild entstehen, auch wenn die Puppen nur Objekte und keine Lebenden sind. Ich wollte sie individuell fotografieren, mit passendem Licht und Perspektive.
Wenn ich Porträts von Personen mache, möchte ich ihr Wesen zeigen, wobei das nicht wirklich geht, denn es gibt nicht nur ein einziges Wesen in einem Menschen. Ein Wesen in diesem Sinne kann zwar nicht in den Puppen sein, aber eine Individualität und das Wesen von Alwine Arnold. Zudem das, was sie geschaffen und gesammelt hat – die Modellpuppen – das Wesen der Trachten und Kostüme – in ihrer Zeit.“